Vor ein paar Wochen habe ich euch hier auf dem Blog davon berichtet dass ich hochsensibel bin. Für mich war und ist es immer noch eine sehr neue Situation. Obwohl, so neu ist sie gar nicht. Ich lebe ja schon immer ein hochsensibles Leben. Jetzt jedoch kann ich gewisse Situationen besser einschätzen und fühle mich weniger merkwürdig.

Nachdem ich also darüber berichtet habe, bemerkte ich dass einige Reaktionen in die Richtung „Habe ich vorher noch nie gehört. Aber ich bin es anscheinend auch.“, gingen. Mir war beim teilen dieser Nachricht gar nicht bewusst dass es Menschen gibt die davon noch nie etwas gehört haben. Nach und nach las ich mich durch einige Foren und Blogs und mir wurde bewusst dass die Hochsensibilität ein relativ „neues“ Thema ist. Neu im Sinne von „gibt es schon seit jeher aber bekommt jetzt so langsam mehr und mehr Aufmerksamkeit“. Das Wissen darüber dass es 15 bis 20 % der Bevölkerung betrifft, ist noch bei sehr wenigen durchgesickert.

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HSP liiiieeeeben den Kontakt zur Natur und brauchen ihn meist um glücklich zu sein.

Also fange ich mal ganz von vorn an und würde hierzu gern ein paar Textpassagen aus dem Buch „Zart besaitet“ von Georg Parlow zitieren. Mir hat das Buch sehr weitergeholfen. Ich kann es Jedem der sich mit dem Thema Hochsensibilität auseinander setzen möchte, nur empfehlen. Ich habe darin einige Passagen gefunden die mich unglaublich nah wiederspiegeln. Plötzlich war da diese Erkenntnis. Dieser unglaublich große AHA-Effekt.

Unter anderem schreibt er: „Hochsensible Menschen besitzen eine sehr feine und detailreiche Wahrnehmung. Dies bezieht sich nicht nur auf die objektive Leistung der Sinnesorgane, da es genauso viele Seh- oder Hörschwache wie in der Gesamtbevölkerung gibt. Die erhöhte Sensibilität für Details und Feinheiten beruht einerseits auf schwächeren Filtern in der Wahrnehmung und andererseits auf einem erheblich sensiblen Nervensystem.“
Eine überaus wichtige Passage finde ich diese hier: „Die menschliche Wahrnehmung wird ständig gefiltert, um wichtige Reize von jenen zu trennen, die eher unwichtig erscheinen. Würden wir ständig alle Eindrücke ungefiltert (d.h. auf der gleichen Prioritätsstufe) ins Bewusstsein lassen, wären wir kaum in der Lage zu funktionieren. Die Farbe unseres Computerbildschirms wäre ebenso wichtig wie der Text des Liedes im Radio, das Summen der Fliege am Fenster, etc. Um also aus all diesen Reizen den oder denjenigen herauszufiltern, die relevant scheinen, kommen normalerweise ganz automatisch Filter zum Einsatz. Die Wahrnehmungsfilter hochsensibler Personen scheinen wesentlich schwächer ausgebildet zu sein als die anderer Menschen. Während nicht Hochsensible Gewohntes oder Uninteressantes (Radio, Hintergrundlärm, Gespräche anderer etc.) einfach ausblenden, d.h. nicht mehr bewusst wahrnehmen, fällt dies uns hochsensiblen Menschen meist sehr schwer.“

Weiterhin schreibt Georg Parlow in seinem Buch noch „Außer dieser schwächeren Filterung verfügen HSP (High Sensitive Person) auch über eine gesteigerte Wahrnehmung von Nuancen, was sich grundsätzlich auf alle inneren und äußeren Reize beziehen kann.“

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Ich möchte euch noch einen Textteil aus dem Buch zeigen, bei dem sich vielleicht einige unter euch wieder finden. „Wer kennt nicht das Unverständnis oder die Ungeduld der weniger sensiblen Menschen, die von einem überstimulierten Mitmenschen gebeten werden, etwas für sie Angenehmes oder Gewohntes (wie laute Musik, schnelles, sprunghaftes Reden) aus Rücksicht aufzugeben, obwohl von ihrer Warte aus kein Grund dazu besteht? Von diesem Blickpunkt aus betrachtet sind wir nicht mehr von Bosheit oder Rücksichtslosigkeit umgeben, sondern von Unverständnis bzw. der Unfähigkeit, sich in ein unvertrautes Erleben einzufühlen. Oder kennen Sie den hochsensiblen Menschen (ich zähle mich sehr dazu), der in seinem Bedürfnis nach sozialen Kontakten immer wieder Einladungen zu Festen annimmt, sich damit aber überfordert? Wenn er sich dann in Trubel, Rauch und Lärm nicht so recht wohlfühlt und stundenlang hin und her gerissen wird zwischen seinem Bedürfnis nach Rückzug und dem nach Kontakt, versteht er sich vielleicht selbst nicht. Er zweifelt an der eigenen Normalität, weil er sich an den anderen misst.“

In den noch kommenden Artikeln möchte ich euch nicht nur zeigen was HSP herausfordert. Ich möchte euch zeigen zu was sie/wir alle in der Lage sind. Denn wenn man erst einmal versteht was einen HSP ausmacht, vielleicht selbst einer ist und durch das Wissen endlich wieder in Selbstliebe „verfallen“ kann, dann findet man auch sehr schnell heraus was für unglaublich tolle Dinge in Ihnen schlummern. Es ist Zeit sie endlich zu wecken.

Solltest du jetzt zweifeln, hin und her gerissen sein ob dass oben stehende auf dich zutrifft, dann gehe einfach auf die Seite Zart Besaitet und mach den Test.

Mein Testergebnis liegt bei 292 von 300. Ich muss aufpassen dass ich mich nicht im Rückzug verliere.
Ich schreibe mein Ergebnis nicht auf um daraus einen Wettbewerb zu machen (der Gedanke machte sich irgendwann bemerkbar), ich möchte damit nur sagen dass selbst bei einem solchen Ergebnis man vorher manchmal nicht wahrhaben möchte das man Hochsensibel ist. Mir hat der Test und die Erkenntnis sehr geholfen mich selbst viel besser zu verstehen. Es ist jetzt auch bei dir an der Zeit dich besser kennen zu lernen.

Ich freue mich sehr auf einen regen Austausch mit dir und von deinen Erlebnissen zu erfahren, seien sie (für dich) auch noch so klein. Hast du Fragen oder Anregungen? Immer her damit. Gemeinsam ist doch viel schöner als einsam.

Alles was in diesem Artikel in “ “ steht, stammt aus dem Buch „Georg Parlow – Zart Besaitet  2015“

Bilder: Hello Danane

Posted by:hello danane

4 replies on “Hochsensibilität – Eine kleine Einführung

  1. Damit habe ich mich auch schon auseinandergesetzt. Meine „Punktzahl“ ist zwar bei weitem nicht so hoch wie deine, aber doch im oberen Fünftel. Ich kenne das Buch nicht, bin aber gespannt, was du davon erzählst.

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  2. Ach Dana 🙂 Der Beitrag ist sehr schön geschrieben und ist ein wunderbarer Einstieg in das für mich neue Thema! Die Buch-Zitate sind so zutreffend, kaum zu glauben. Ich zweifelte bisher – und das schon ein paar Jahre – an der Umgangsform von Anderen und irgendwie auch an meinem eigenen sozialen Verhalten (grad auch in größeren Gruppen oder bei vielen unbekannten Gesichtern), wodurch ich eher schweigsam/überfordert wirke, obwohl ich schon eher „schnattrig“ und neugierig bin 😉 Der Test ergab 264 Punkte und das bestätigt erstmal meinen Eindruck.
    Das Buch kommt jedenfalls ganz oben auf die Lese-Liste und ich freu mich auf die weiteren Artikel.
    Sonnige Grüße

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  3. Ich kannte den Begriff schon und könnte mir grob etwas darunter vorstellen aber die Zitate haben es doch noch einmal verdeutlicht. Den Test habe ich natürlich auch gleich gemacht und lag bei weitem nicht bei deiner Punktzahl aber über der Grenze. Interessant! Ich schaue mir das Buch wohl auch mal näher an und bin gespannt was du noch zum Thema berichtest.
    Hab einen schönen Tag
    Tobia

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