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Im letzten Artikel gab ich euch eine kleine Einführung in die Welt der HSP (High Sensitive Person). Ihr konntet euch testen und schon einmal ein kleines Gefühl dafür bekommen was es heißt High Sensitive zu sein oder vielleicht doch nicht. Hier ist natürlich auch jeder nicht Hochsensible eingeladen mitzulesen. Ist doch klar. Denn wenn wir alle ein wenig mehr darüber wissen, dann fällt uns das Zusammenleben auch ein wenig leichter.

Heute möchte ich euch von einem Gefühl berichten, das mich in meiner Kindheit fast an den Rand des Wahnsinns getrieben hat (und meine Mitmenschen mit Sicherheit auch). Der Tastsinn meiner Haut ist unglaublich sensibel. Jetzt als Erwachsener kann ich damit wunderbar umgehen. Ich genieße es geradezu in meiner Hand, mit dem Stück was an der Avocado abfällt zu spielen. Ja, immer wenn ich im Supermarkt stehe und eine Avocado in meinem Einkaufskorb landet, piepel ich erst dieses kleinen Stück an der Avocado ab und lasse es durch meine Hand rollen, den ganzen Einkauf lang. Unglaublich schön. Jetzt ganz unter uns. Ich liebe auch das Gefühl mir die Bänder an meinem Hoodie in meine Ohren oder in meine Nase zu stecken. Neeeiinn, nicht weit. Sorry, To much Information. Aber so ist das nun mal. Solltet ihr mich also mal mit meinem Band von meinem Hoodie in meiner Nase sehen, macht euch keine Sorgen.

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Als Kind war dieser ausgeprägte Sinn meiner Haut allerdings nicht sehr einfach zu händeln. Vor allem nicht für meine Mitmenschen. Ich erinnere mich an die Erzählung meiner Mutter. Sie saß mit mir als sehr kleines Kind im Bus, kommend von der Arbeit, beladen mit den Einkäufen und mich im Arm. Das ist schon ein Balanceakt den man erst einmal hinbekommen muss. (Deshalb gibt es Orangen wahrscheinlich auch im Netz zu kaufen.) 😉 Allerdings habe ich den Schwierigkeitsgrad noch um so einiges erhöht. Ich sträubte mich ganz normal im Bus neben ihr zu sitzen. Laut der Erzählung windete ich mich wohl sehr stark und bäumte mich auf (ich muss da wohl noch einmal genauer nachfragen). Ich machte aus einer normalen Situation wohl eine sehr schwierige für meine Mutter. 30 Jahre später habe ich eine sehr einfach Erklärung. Mein Schneeanzug (ja, es war zu dem auch noch Winter) sitzte wahrscheinlich nicht richtig, oder zwickte mich irgendwo. Eine grausame Situation.
Das ich nicht richtig sitzende Klamotten verabscheute, merkten meine Mitmenschen wohl irgendwann sehr schnell. Handschuhe mussten akkurat in die Jacke gesteckt werden. Socken durften nicht einfach lieblos über die Füße gezogen werden. Der obere Rand nach unten geklappt? NO way. Das ich auch heute noch so. Wenn ich da einen kleinen Druck verspüre, muss ich es richten. Sonst macht es mich fertig. Ich hasste (!!!) gestrickte Kleidung. Leierte ein Pulli aus und viel nach dem waschen auf einmal anders auf meiner Haut, wurde er nicht mehr getragen …

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Die Geschichten aus meiner Kindheit waren mir als Erwachsener manchmal sehr unangenehm. Keiner hört gern dass er als Kind schwierig war. Jetzt muss ich noch einmal aus dem Buch“Zart Besaitet“  zitieren.  Denn als ich diese Zeilen las, ergab plötzlich alles einen Sinn:

„Ein eigenes Kapitel ist die unwillkürliche Wahrnehmung von Druck, Reibung und ähnlichen Reizen am ganzen Körper. Die Prinzessin auf der Erbse war zweifellos eine hochsensible Person – doch die märchenhaften Zeiten, in denen solche Empfindsamkeit geschätzt wurde, sind vorbei. Der kratzige Pullover (oh, ich kann euch Lieder davon singen), den alle anderen ganz weich finden, der etwas zu enge Hosengummi (unerträglich), mikroskopisch kleine Krümel im Bett (ok, die kann doch wohl niemand leiden), Falten in der Socke (ich hab´s euch doch gesagt. Als ich das las musste ich sooo lachen.), …, der schlechte Schnitt mancher Schuhe und eine Unzahl weiterer Details werden von vielen hochsensiblen Menschen nicht nur mehr oder wenig bewusst registriert, sondern beeinträchtigen ihr Wohlbefinden gerade so wie bei der Prinzessin auf der Erbse.“ (Georg Parlow, Zart Besaitet, 2015) (Text in Klammern stammt von mir)

Keiner hat mich damals verstanden. Ich mich auch nicht. Und heute ernte ich Verständnis nachdem ich Menschen in meiner Unmittelbaren Umgebung diese Textpassagen vorlese. Plötzlich ist alles klar.

Seid ihr auch so überempfindsam was das angeht? Wird euch ganz unwohl wenn euch am Körper etwas kneift oder drückt?

Bild: Hello Danane

 

3 replies on “Ich fühle etwas was du nicht fühlst – HSP

  1. Diese Ausprägung habe ich (zum Glück) nicht wobei ich kratzige Pulli auch nicht ausstehen kann. Mir auch egal wenn dass 100% Wolle aus Mailand ist :-P. Viel mehr zu schaffen macht mir Lärm. An manchen Tagen raubt mir das den letzten Nerv und meine Ohrstöpsel trag ich dann auch in der Wohnung. Manchmal komm ich mir da echt bekloppt vor aber es geht mir besser.
    So ist… schönen Donnerstag dir, Tobia

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